Pure Heimatliebe

Interview mit Friedo Petig zu seinem neuen Buch

Friedo Petig ist uns als reimender Landwirt bekannt, der bereits einige Bücher geschrieben hat. Darunter „Der Lipper an sich“, ein Kinderbuch, „Das Schweineparadis“ und den Krimi „6 aus 49“. Inzwischen hat er seinen landwirtschaftlichen Betrieb an die nächste Generation übergeben und lebt nun in Schwalenberg.

Wir haben gehört, dass Sie sich nun einem neuen Genre zugewandt 
haben. Was hat es damit auf sich?
In diesem Buch schlüpfe ich in eine 
völlig neue Rolle. Seit Bandel in Hannover den Kopf fertiggestellt hat, kann dieser Kopf denken. Hermann erreicht mit dem Zug das Lipperland und wird mit dem Leiterwagen zur Grotenburg gefahren. Bandel sagt noch zum Kutscher: „Jetzt bloß nicht den Kopf verlieren!“ Und ich sehe Lippe zum ersten Mal und ich denke jetzt 150 Jahre am Stück. Welch ein Zeitraum! Wir haben ja immer nur unseren Zeitgeist, der Hermann erkennt ganz andere Zu­sammenhänge.

Was inspiriert Sie an der Figur des Arminius oder Hermann dem Cherusker?
Der Hermann ist Deutschlands höchstes Denkmal und steht als imposante Er­scheinung an einer exponierten Stelle. Bei mir kann er jetzt nach allen Seiten gucken, er sieht alles auf der Welt. An seinem 102. Geburtstag am 16. August 1977 stirbt Elvis Presley. Also guckt Hermann rüber nach Graceland. Er sieht auch seinen kleinen Bruder in Neu-Ulm und er sieht auch die Toten Hosen in Lothe und er sieht die Radballweltmeister in Lieme. Die Figur des Arminius steht also über den Dingen, denkt sich auch philosophisch kreuz und quer durch das Leben und Hermann ist durch den direkten Überblick über die Jahrzehnte ein lupenreiner Demokrat.

Was bedeutet der Hermann für Sie persönlich?
Beim Hermann war ich natürlich als Schulkind. Heimatkunde war mein Lieblingsfach. Mit meiner Frau habe ich vor Jahrzehnten am Hermann über die bevorstehende Verlobung gesprochen und vor 20 Jahren war ich dort mit Uli Tasche. Gemeinsam haben wir mit Humor die Varusschlacht im „Kampf um Lippe“ beschrieben.

Haben Sie eine ganz eigene, besondere Begegnung mit dem Cherusker Fürsten?
Da Hermann denken kann, habe ich mich intensiv mit seiner Person beschäftigt. Ich habe zahlreiche Bücher gelesen, war auf etlichen Veranstaltungen, ging bei Wilfried Mellies ein und aus und ich stehe im ständigen Austausch mit dem früheren Stadtarchivar und Historiker aus Bad Salzuflen, Franz Meyer. Jede Generation wird den Hermann wohl aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Natürlich ist ein übertriebener Patriotismus schädlich und gefährlich, aber eine harmlose Heimatliebe muss erlaubt sein. In einigen Urlaubsorten der Welt ist alles nur Fassade. Eine künstliche Maske für Brot und Spiele. In Lippe ist die Ursprünglichkeit echt. Wir leben in einem besonderen Land. Wirklich!

Wie sehen Sie die Bedeutung dieses Denkmals für die Region und für Deutschland?
Hermann ist das Wahrzeichen von Lippe. Bandel hat diesen Bau mit einer ungeheuren Energieleistung errichtet. Das sollten wir auch mal schätzen und anerkennen. Das ist ein zeitloses Denkmal, steht da robust. Leider gibt es heute immer noch schreckliche Kriege, aber wir als Bewertungsweltmeister mit Deutungshoheit stellen Bandels Stein-und Kupferbau in Frage, während wir selber mit Plastik und Kunststoff und einer Wegwerfmentalität diese Welt ruinieren. Das hat auf dem ersten Blick nichts miteinander zu tun, schärft aber den Blick für Relationen. Deshalb: Ein klares Ja zum Denkmal mit einem klaren Nein zum Faschismus und ein klares Ja für eine Freiheitsstatue für eine bessere Welt.

Was erwartet uns mit Ihrem neuen Buch?
Ich habe jeweils vier Bücher über Gerd Schröder und Frank-Walter Steinmeier gelesen. Also denkt Hermann auch über diese prominenten Lipper nach. Er sieht auch, dass Ernst von Bandel und Udo Lindenberg zusammen Geburtstag feiern und er sieht 17.000 Zuschauer bei einem Schalke-Gastspiel in Lippe. Ein längerer Text beschäftigt sich mit „Hermann im Trikot“ und unser Hüne beschäftigt sich mit Afrika, der Emmer und Schwalenberg. Die „Sendung mit der Maus“ war beim Hermann und er betrachtet auch Sinalco und die berühmteste Katze aus Lippe. Die Themen wechseln von Gerd Müllers Besuch in Heidelbeck bis hin zu Harald Wallbaum. Man kriegt die ganze Welt nicht in das Buch hinein, aber fast.

Lieber Herr Petig, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Ihrem neuen Buch „Hermann denkt“.

Image Wenn die Ideen kommen, müssen sie aufs Papier – Friedo Petig sammelt für das Hermann-Buch.