Niederländische Tradition auf dem Scheideweg?

Blombergs Sinterklaas Markt

Als in den frühen 60ern während des 
kalten Krieges eine niederländische Raketenabwehreinheit in der Kleinstadt Blomberg stationiert wurde, ahnten die Blomberger nicht, welche wunderschönen Bräuche sie mitbringen würden.

Neben dem 4Abende-Marsch, den heute noch der TV Blomberg veranstaltet, kam auch die Tradition des niederländischen Nikolaus, dem Sinterklaas, mit seinen Pieten nach Blomberg.

1965 wurde in der Vorweihnachtszeit der Sinterklass und seine Helfer zum ersten Mal vom damaligen Empfangskomitee, bestehend aus dem Kasernenkomman­danten, dem Stadtdirektor und dem Bürgermeister auf dem Blomberger Marktplatz empfangen. Eine Tradition, die bis heute weiter besteht. Das war aber nicht selbstverständlich. Denn als 1997 die niederländische Garnison in Blomberg aufgelöst wurde, war es in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt für Blomberg. Nicht nur eine gewaltige Kaufkraft, sondern auch die lieb gewonnenen Traditionen fielen weg.

So gut wie jeder langjährige Blomberger war mit der niederländischen Tradition aufgewachsen. Eine Tradition, die aus Blomberg nicht mehr wegzudenken war. Sollte das nun vorbei sein? Wie kann diese Tradition weitergeführt werden? Wie soll das finanziert werden? Alle Kosten rund um den niederländischen Nikolaus und seinen Pieten wurde vorher von der 
niederländischen Armee getragen.

Diese Fragen stellten sich damals einige Niederländer, die in Blomberg geblieben sind. Zusammen mit einigen Einheimischen gründeten sie kurzerhand den Heimatverein Sint Nicolaas e.V.. Die Gründungsmitglieder der ersten Stunde können sich noch sehr gut an die Geburtsstunde des Vereins erinnern. Mit der Unterstützung der Stadt Blomberg und Blomberg Marketing wurde der Verein fortan finanziert durch einige Sponsoren und durch Auftrittsbuchungen.

Schließlich kam zum jährlichen Sinterklaas-Einzug auch der Sinterklaas-Markt dazu. Die Einnahme, die durch den Glühwein-Verkauf erzielt wurde, kam zu 100 Prozent der Vereinskasse zugute. Der Markt wurde immer mehr zum Erfolg und zu einem festen Bestandteil im Blomberger Ver­anstaltungskalender.

Doch dann kam die Corona-Pandemie, und viele Vereinsmitglieder schieden zum Teil aus Altersgründen aus. Zudem flammte eine Diskussion auf, in der das nieder­ländische Brauchtum als rassistisch dar­gestellt wird. Um den entgegenzu­wirken und als Zeichen, dass wir uns sehr wohl mit der Frage auseinandersetzen, wo die Grenze zwischen Rassismus und Tradition verläuft, haben wir versucht uns anzupassen. Die goldenen Ohrringe fielen weg, die schwarzen Strumpfhosen wurden bunt, die gelockte Haarpracht wurden „lockenfreier“ und länger. Die Kostüme wurden teils weiblich durch „Kleidchen“-Kostüme. Sogar das allseits bekannte schwarze Gesicht der Pieten 
gibt es nicht mehr. Die Gesichter sind nun, wie bereits auch in vielen niederländischen Regionen, angepasstem Vorbild, nicht mehr schwarz, sondern „schorn-stein-gerußt“.

Die Rassismus-Vorwürfe waren und sind für den Verein eine wahre Zerreißprobe, die uns einige Mitglieder gekostet hat. Sie wollten sich der heftigen Diskussion nicht mehr aussetzen.

Seit jeher war der Piet dafür bekannt, dass er Schabernack mit den Kindern treibt und immer zu Scherzen aufgelegt ist. Dass man die Akteure mit den gerußten Gesichtern, anstelle mit schwarzen Gesichtern, sofort erkennt, war ein weiterer Grund für zahlreiche Austritte. Da die Kinder sofort den Nachbar, den Mathelehrer, den netten Mann von der Eisdiele oder dem Weingeschäft erkennen und nicht „den Piet“. Die Magie, der Zauber, den die Helfer des Sinterklaas bisher ausstrahlten, blieb hierdurch leider weitestgehend verloren.

Der Verein sucht dringend Mitglieder, die diese Tradition seit Kindesbeinen kennen und trotz der Einschneidungen, weiter aufrechterhalten möchten.

Neben Pieten werden aber auch Mitglieder benötigt, die bereit sind, den Sint Nicolaas-Markt aufzubauen, Glühwein zu verkaufen oder den Sinterklaas und seine Pieten zu den Auftritten fahren. Es gibt viele Tätigkeiten, die erledigt werden müssen, um diesen traditionsreichen 
Verein aufrechtzuerhalten. 

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