Längst kein Geheimtipp mehr: die Konzerte mit der Hochschule für Musik Detmold in Bergkirchen

Hochschule für Musik Detmold bereichert Bergkirchens Konzertszene

Im Wintersemester 2017/18 begann eine Kooperation zwischen der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde zu Bergkirchen und der Hochschule für Musik Detmold. Unter dem Titel „Winterkonzerte mit der Hochschule für Musik Detmold“ entstand eine Konzertreihe, die Studierenden und Ensembles bis heute die Möglichkeit bietet, außerhalb des Hochschulkontextes ein abendfüllendes Konzertprogramm zu präsentieren. Ziel war und ist es, jungen Musikerinnen und Musikern einen professionellen Rahmen zu bieten und zugleich das Kulturangebot in der Region zu erweitern.

Die Kirche in Bergkirchen hat sich längst als Veranstaltungsort für Kammermusik etabliert. Kantor Rainer Begemann organisiert dort seit zwei Jahrzehnten Konzertreihen mit international und regional tätigen Künstlerinnen und Künstlern. Im Gespräch zwischen Kantor Begemann und Prof. Manuel Lange, dem früheren Prorektor für künstlerische Angelegen­heiten der HfM Detmold, entstand die Idee, die bisher punktuelle Zusammenarbeit zu verstetigen. Lehrende und Studierende waren zuvor gelegentlich in Bergkirchen aufgetreten. Die neue Reihe sollte diesen Austausch vertiefen und eine Plattform für kammermusikalische Projekte mit außer­gewöhnlichen Besetzungen schaffen.

Nachdem das Brahms Quintett die dies­jährige Saison eröffnet hat, setzen drei ­weitere Ensembles die Reihe fort. Die nächsten Konzerte gestalten das Echo Quartett (22. Februar 2026), das Vokalensemble Crumble (22. März 2026) und das Duo Miruka (19. April 2026). Sie spannen den Bogen von klassischer Kammermusik über populäre A-cappella-Arrangements bis hin zu experimentellen Klangkombina­tionen. Für die Studierenden ist die Konzertreihe zugleich ein praktisches Lernfeld, in dem sie künstlerische und organisatorische Erfahrungen sammeln können.

Tango-Rhythmen im Februar
Das Echo Quartett eröffnet den Reigen mit einem Programm, das den Tango in den Mittelpunkt stellt. Das Ensemble besteht aus Hyunho Gi (1. Violine), Federico Di Bari (2. Violine), Yechan Le (Viola) und Artei Theotonio (Violoncello). Im Konzert spielt das Quartett Werke von Astor Piazzolla, darunter „Las Cuatro Estaciones Porteñas“, „Adiós Nonino“, „Libertango“ und „Oblivion“.

Piazzolla verband die klassische Musiktradition mit der Formensprache des Tangos und schuf so eine eigenständige Musiksprache. Seine „Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“ entstanden zwischen 1965 und 1970. Sie spiegeln das Lebensgefühl der Metropole wider – ein Gegenentwurf zu Vivaldis Naturdarstellungen. „Adiós Nonino“, 1959 nach dem Tod seines Vaters komponiert, verbindet Trauer mit tänzerischer Energie. Mit „Libertango“ markierte Piazzolla 1974 den Beginn des sogenannten Tango Nuevo, während „Oblivion“ die ruhige, introspek­tive Seite des Komponisten zeigt.

Stimmen aus Pop und Jazz
Das Vokalensemble Crumble wurde 2023 von Studierenden verschiedener Fachrichtungen gegründet. Die aktuelle Besetzung besteht aus Isabella Champion, Carmen Habbe, Henrik Laufer und Alexander Leemhuis.

Das Quartett arrangiert Songs aus Pop und Jazz für A-cappella-Besetzungen. Dabei kombiniert es bekannte Stücke mit eigenen Bearbeitungen. Das Ziel: Populäre Musikformen in einen konzertanten Rahmen zu bringen und zugleich neue Klangmöglichkeiten auszuloten.

Seinen Ursprung nahm das Ensemble in universitären Veranstaltungen und privaten Festen. Bereits sechs Monate nach der Gründung folgte das erste eigene Konzert in Detmold. Inzwischen arbeitet Crumble regelmäßig mit Kirchenchören und anderen Ensembles zusammen und erweitert fortlaufend sein Repertoire.

Das aktuelle Programm bietet eine Zeitreise durch ein Jahrhundert populärer Musik – von Jazz bis Pop. Es umfasst Werke von Charlie Chaplin, John Coltrane, Elton John, Toto, Billie Eilish und Pentatonix. Kurze Moderationen geben Einblicke in die Entstehung und Besonderheiten der einzelnen Stücke. Der Fokus liegt auf stilistischer Vielfalt und präziser vokaler Umsetzung.

Neue Klangräume – das Duo Miruka
Das Duo Miruka besteht aus der Marimba­spielerin Miyaka Yotsumoto und der Pianistin Haruka Ibushi. Nach gemeinsamer Arbeit an Kammermusikprojekten gründeten sie 2024 ihr Duo. Ihr Ziel ist es, die Kombination von Marimba und Klavier als eigenständige Klangwelt zu etablieren.

Haruka Ibushi absolvierte ihr Studium am Tokyo College of Music und setzt derzeit ihr Konzertexamen in Detmold bei Prof. Alfredo Perl fort. Miyaka Yotsumoto studierte in Kyoto und Detmold, wurde 2024 mit dem Amadeus International Music Award ausgezeichnet und arbeitet aktuell an ihrem Konzertexamen bei Fumito Nunoya.

Das Programm des Duos vereint Werke von Ludwig van Beethoven, Tomaso 
Antonio Vitali, Igor Strawinsky, Amy Beach und George Gershwin. Alle Werke stammen ursprünglich aus dem Repertoire für Streicher und wurden für Marimba und Klavier bearbeitet. Diese Bearbeitungen eröffnen neue Perspektiven auf bekannte Werke und zeigen, wie vertraute Strukturen in ungewohnter Instrumentierung 
neu wirken können. 

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