Die Designsammlung Detmold ist eine in der Region einzigartige Ausstellung, in der Stühle, die Geschichte schrieben, gezeigt werden. Der Aufbau der heutigen Designsammlung unter der ursprünglichen Bezeichnung „Sammlung Möbel und Innenarchitektur“ begann im Jahr 1988 mit dem Fachbereich 1 der damaligen Fachhochschule Lippe – Der Schule für Architektur und Innenarchitektur. Ziel der vor 35 Jahren geschlossenen Kooperation war es einerseits die Gestaltungslehre der damaligen Fachhochschule Lippe mit Anschauungsobjekten auszustatten und zum anderen, eine anschauliche Ausstellung zur Möbelkultur aufzubauen, womit die Bedeutung Ostwestfalens als eine der maßgeblichen Möbelregionen Deutschlands bedacht werden sollte.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Lippischen Landesmuseum Detmold und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) hat sich als äußerst fruchtbar und bereichernd für beide Institutionen erwiesen. Viele Jahrgänge Studierender der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur haben an der Konzeption und Gestaltung der Ausstellung mitgewirkt. Dies ermöglichte immer eine frische und innovative Herangehensweise an die Präsentation.
„Die Kooperation ist ein Gewinn für beide Institutionen, denn sie ermöglicht den Studierenden wertvolle Einblicke in die Arbeit eines Museums und gibt ihnen die Gelegenheit, an der Gestaltung von Ausstellungen mitzuwirken. Für das Lippische Landesmuseum Detmold bedeutet die Zusammenarbeit eine erweiterte Expertise und neue kreative Impulse. Die Studierenden brachten neue Ideen in die Ausstellung ein, die das Museumserlebnis bereichern“, sagt der Direktor des Lippischen Landesmuseums Detmold, Dr. Michel Zelle.
Die Designsammlung bietet die einzigartige Möglichkeit, die Entwicklung von Materialien und Technologien im Laufe der letzten 170 Jahre am Beispiel der Möbelindustrie nachzuvollziehen. Die Sammlung zeigt, wie sich die Bedürfnisse und Wünsche der Gesellschaft an Sitzmöbel im Laufe der Zeit verändert haben und wie das Design darauf reagiert hat. Anschaulich wird dargestellt, wie sich die Werkstoffe weiterentwickelt haben und wie dies die Formgebung der Möbel beeinflusst hat. Die Verwendung von neuen Materialien wie Stahl, Kunststoffen oder Verbundwerkstoffen hat die Herstellung von Möbeln revolutioniert und zu einzigartigen Designs geführt. Neben den technischen Entwicklungen haben aber auch kulturelle und gesellschaftliche Trends das Design beeinflusst. So entstanden Stahlrohrmöbel in den 1920er und 1930er Jahren, angelehnt an die Konzeption der Bauhaus Kunstschule. In den 1960er Jahren wurden Möbel mit knalligen Farben und außergewöhnlichen Formen populär, die den Zeitgeist widerspiegeln.
Aktuell werden mehr als 150 Objekte präsentiert, die internationales Sitzmöbel-Design der letzten 170 Jahre reflektieren. Dabei finden sich absolute Klassiker von renommierten Designern wie Charles & Ray Eames, Frank-Lloyd Wright, Ludwig Mies van der Rohe, Verner Panton, Marcel Breuer und Charles Rennie Mackintosh. Der schottische Architekt, Innenarchitekt, Kunsthandwerker, Designer, Grafiker und Maler war eine der führenden Persönlichkeiten der Art-Nouveau-Bewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts und gab dem modernen Design wichtige Impulse. Seine streng gestalteten Stühle mit hoher Lehne wurden zu Design-Ikonen und werden bis in die Gegenwart nachgebaut.
Ein Highlight ist eine Sammlungsgruppe der berühmten Bugholzmöbel der Gebrüder Thonet, darunter auch der legendäre Stuhl Nr. 14 – Der Wiener Kaffeehaus-Stuhl, der sich bereits bis 1930 über 50 Millionen Mal verkaufte. Diese Stücke zeugen von der innovativen Holzbearbeitung, die Michael Thonet bereits im 19. Jahrhundert perfektionierte und die bis heute eine wichtige Rolle im Möbeldesign spielt.
Gezeigt werden die Objekte auf erfrischende Art und Weise. Studierende der TH OWL haben ihr Fachwissen und ihre Kreativität eingebracht und eine einzigartige und innovative Präsentation geschaffen, die begeistert. Die Designsammlung bietet eine einzigartige Gelegenheit, um sich auf eine Zeitreise durch die Möbelgeschichte zu begeben und zu erleben, wie Materialien und Technologien die Formgebung und Funktionalität von Möbeln beeinflusst haben.