Einfach machen – und sehen, was entsteht

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Bei der Projektschau des Transferjahres 25 zeigte die TH OWL, wie viel Energie freigesetzt wird, wenn Studierende, Hochschule und Region gemeinsam an echten Fragestellungen arbeiten.

Was passiert, wenn Studierende nicht nur für die Prüfung lernen, sondern für echte Orte, echte Menschen und echte Aufgaben arbeiten? Beim Transferjahr 25 der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe ließ sich darauf eine ziemlich anschauliche Antwort finden. Aus Ideen wurden Modelle, aus Fragen wurden Konzepte, aus Teamarbeit wurde etwas, das Besucherinnen und Besucher anfassen, ausprobieren und diskutieren konnten.

Zum Abschluss des Pilotprojekts lud die TH OWL am Freitag, 24. April 2026, zur großen Projektschau ins CIIT auf dem Innovation Campus Lemgo ein. Rund 200 Gäste kamen, um zu erleben, woran die studentischen Teams in den vergangenen Monaten gearbeitet hatten. Und wer die Ausstellung besuchte, merkte schnell: Hier ging es nicht um trockene Posterpräsentationen oder theoretische Semesterarbeiten. An vielen Stationen durfte getestet, gespielt, aus­probiert und nachgefragt werden.

Das Motto des Transferjahres 25 lautete „einfach machen“. Genau dieser Geist war auch bei der Projektschau spürbar. Studierende präsentierten Escape-Room-Kon­zepte, Virtual-Reality-Anwendungen, Miniaturmodelle und Gestaltungsideen für konkrete Orte in der Region. Ein Projekt beschäftigte sich etwa mit der Frage, wie ein Krankenhauszimmer so eingerichtet werden kann, dass sich Patientinnen und Patienten darin wohler fühlen. Die Gäste konnten das Modell nach eigenen Vorstellungen gestalten. Dahinter stand eine gemeinsame Arbeit von Studierenden der Wirtschaftspsychologie und Innenarchitektur, die zeigen wollten, wie Umgebung, Wohlbefinden und Genesung zusammenhängen können.

Bevor es in die Ausstellung ging, eröffnete ein Bühnenprogramm den Nachmittag. Julia Wunderlich aus dem Organisationsteam führte durch die Veranstaltung. Professor Dr. Stefan Witte, Vizepräsident für Forschung und Transfer, und Professor Dr. Josef Löffl, Leiter des Instituts für Wissenschaftsdialog, blickten auf den ersten Durchlauf zurück. Beide hatten das Konzept mitentwickelt und begleitet. Ihr Anliegen war es, Hochschule und Region enger miteinander zu verbinden und zu zeigen, wie viel beide Seiten voneinander haben, wenn Wissen nicht im Seminarraum bleibt.

Ganz reibungslos sei der Weg nicht immer gewesen, machte Professor Witte deutlich. Das Projekt habe Neuland betreten, fachbereichsübergreifend und mit Wirkung über die Hochschule hinaus. Aber genau darum sei es gegangen: anfangen, ausprobieren, Lösungen unterwegs entwickeln. Es wurde betont, wie wichtig solche Erfahrungen gerade in Zeiten des Wandels seien. Wer an echten Aufgaben arbeite, erlebe Selbstwirksamkeit – und nehme daraus etwas mit, das über reine Fachkenntnisse hinausgeht.

Diesen Gedanken griff auch Professor Dr. Daniel Hunold in seiner Keynote auf. Er sprach die Studierenden direkt an und ermutigte sie, eine eigene Stimme zu entwickeln, mitzudenken und Lösungen anzubieten. Als kleines Symbol dafür verteilte er Kompasse – ein passendes Bild für junge Menschen, die sich beruflich orientieren und dabei ihren eigenen Weg finden sollen.

Wie sich die Arbeit im Transferjahr konkret angefühlt hat, wurde anschließend in einer Gesprächsrunde deutlich. Silvia Herrmann, Leiterin des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake, hatte zu Beginn des Projekts eine Aufgabe aus der Praxis eingebracht. Für das Außenareal des Museums sollten neue Ideen entstehen, die den Bereich attraktiver machen und Aufenthaltsqualität schaffen. Die Ergebnisse reichten von Duftgärten über Sinnesangebote mit Pflanzen bis hin zu Wegen, Spiel- und Bewegungsangeboten. Besonders beeindruckt zeigte sich Herrmann von der Vielfalt der Ideen, die durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen entstanden sei. Für das Museum sei daraus eine ganze Sammlung an Entwürfen geworden, mit der weiter­gearbeitet werden könne.

Auch die Studierenden Mariella Meller und Marvin Horstbrink erzählten von ihren Erfahrungen. Beide waren am Projekt „Das Vermächtnis der Arcade – XR-Escape Room“ beteiligt. Dort entstand ein Raum, in dem analoge, digitale und virtuelle Rätsel miteinander kombiniert werden. Für Mariella Meller war das Projekt gleich in mehrfacher Hinsicht besonders. Einen Escape Room zu entwickeln, habe schon lange auf ihrer persönlichen Wunschliste gestanden. Zusätzlich arbeitete sie an einem Miniaturmodell des Bahnhofs Minden mit – einem Thema, das sie auch privat berührte, weil ihr Großvater begeisterter Modelleisenbahner war.

Marvin Horstbrink berichtete, wie anspruchsvoll die Organisation eines so großen Teams sein kann. Rund 20 Studierende arbeiteten am Escape Room mit. Damit das funktionierte, verteilte sich die Gruppe dezentral, strukturierte Aufgaben klar und fand einen Arbeitsmodus, der am Ende erstaunlich gut trug. Viele Beteiligte möchten das Projekt sogar im nächsten Semester fortführen.

Dass manche Ideen über den ursprünglichen Zeitrahmen hinauswachsen, zeigte das Projekt von Professor Dr. Markus Lange-Hegermann. Sein Team arbeitete an einem „Neuronalen Netz aus Hardware (von der Funktionsweise des menschlichen Gehirns inspirierte Algorithmen)“, das die Funktionsweise von KI-Modellen anschaulich und begreifbar machen soll. Noch fehlen einzelne Bauteile, doch am Ende soll ein Modell entstehen, das sich auch für Museen eignet. Möglich werde das vor allem durch das außer­gewöhnliche Engagement der Studierenden, so Lange-Hegermann.

Nach dem Bühnenprogramm konnten die Besucherinnen und Besucher die Projekte selbst erkunden. Gerade diese Nähe machte den Reiz der Veranstaltung aus. Man sah nicht nur fertige Ergebnisse, sondern bekam auch ein Gefühl für die Arbeit dahinter: für Umwege, Diskussionen, Ideen, die verworfen wurden, und Lösungen, die erst im gemeinsamen Tun entstanden. Eine Besucherin aus Lemgo brachte es am Ende treffend auf den Punkt: Es sei beeindruckend zu sehen, wie viel Arbeit und wie viele Ideen in den Projekten steckten – deutlich mehr, als man auf den ersten Blick erwarte.

Mit der Projektschau endete der erste Durchlauf des Transferjahres 25. Für die TH OWL war es zugleich ein Anfang. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt sollen nun in die Weiterentwicklung einfließen. Aus dem Transferjahr 25 wird künftig das Transferjahr OWL. Damit soll das Format weiter geöffnet werden – für neue Ideen, neue Partnerinnen und Partner und neue Möglichkeiten, Hochschule und Region
miteinander ins Handeln zu bringen.

Das Transferjahr 25 wird durch TRiNNOVATION OWL unterstützt. TRiNNOVATION OWL ist ein Projekt der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ und wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.