Als das Ixora Quartett 2022 den ersten Preis beim Auryn-Wettbewerb gewann, war dies der sichtbare Auftakt einer Entwicklung, die bis heute anhält. Inzwischen haben sich Maria Zontova (1. Violine), Eun Sun Kim (2. Violine), Zhuochen Sun (Viola) und Aneta Stefańska (Violoncello) als Quartett etabliert und zugleich bemerkenswerte individuelle Karrie-ren aufgebaut. Die vier Musikerinnen stehen damit exemplarisch für eine Generation junger Kammermusikerinnen, die künstlerische Eigenständigkeit und berufliche Flexibilität miteinander verbinden.
Zu den jüngsten Höhepunkten zählen Auftritte bei Konzerten der Hochschule für Musik Detmold in Bergkirchen, bei der Landesgartenschau in Höxter sowie bei den Brühler Schlosskonzerten. Gleichzeitig hat sich das Ensemble durch ein gemeinsames Aufbaustudium im Fach Kammermusik weiter professionalisiert. Betreut vom Auryn Quartett arbeiteten die vier Musikerinnen intensiv an ihrem Zusammenspiel und entwickelten eine gemeinsame künstlerische Sprache. Einen wichtigen Meilenstein setzen sie am 10. Juli im Konzerthaus der Hochschule mit ihrem Abschlusskonzert im Studiengang Konzertexamen.
Heute sehen sie sich nicht mehr als studentisches Projekt. „Wir fühlen uns inzwischen wie ein erwachsenes Ensemble“, sagt Maria Zontova rückblickend. Gerade in den vergangenen Jahren haben sie die während des Studiums gemachten Lernerfahrungen immer mehr zu schätzen gelernt. Obwohl alle Mitglieder inzwischen eigene berufliche Wege verfolgen, bleibt das Quartett ein Bezugspunkt.
Auch die individuellen Karrieren zeigen diese Entwicklung deutlich. Maria Zontova wurde als stellvertretende Konzertmeisterin der Norddeutschen Philharmonie Rostock engagiert und wird aktuell dort als Solistin mit Max Bruchs Violinkonzert auftreten. Eun Sun Kim erhielt einen Zeitvertrag bei den Bielefelder Philharmonikern. Bratschistin Zhuochen Sun arbeitete an den Theatern in Hagen und Lübeck und wird künftig als Stipendiatin der Kammerakademie Neuss tätig sein. Aneta Stefańska ist Solo-Cellistin der Bielefelder Philharmoniker. Dass sich vier anspruchsvolle Laufbahnen mit der Arbeit in einem Quartett vereinbaren lassen, erfordert Organisation und gegenseitiges Verständnis.
Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen. Die Musikerinnen stammen aus unterschiedlichen Ländern, sprechen verschiedene Muttersprachen und bringen unterschiedliche künstlerische Prägungen mit. Was zunächst nach einem möglichen Hindernis klingt, verstehen sie als Stärke. Vielfalt ist für das Ixora Quartett – benannt nach einer Pflanze mit vier Blütenblättern – kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. „Aufgrund der sprachlichen Unterschiede haben wir manchmal Schwierigkeiten, uns zu verständigen“, erzählt Eun Sun Kim mit einem Lachen. Die Musik bildet jedoch eine gemeinsame Sprache, die alle Unterschiede überwindet.
Der Probenalltag verlangt ein hohes Maß an Disziplin. Termine werden über eine gemeinsame App koordiniert, freie Zeitfenster sorgfältig geplant. Vor Konzerten intensivieren die vier ihre Arbeit und konzentrieren sich vollständig auf das gemeinsame Programm. Der organisatorische Aufwand ist beträchtlich, zumal Proben, Reisen und Auftritte mit den Verpflichtungen in Orchestern abgestimmt werden müssen.
Auch künstlerisch lebt das Ensemble von unterschiedlichen Perspektiven. Das Repertoire reicht von Haydn und Schubert bis hin zu zeitgenössischen Werken. Besonders wichtig ist den Musikerinnen die Verbindung von Tradition und Gegenwart. So widmeten sie sich unter anderem der Musik des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov und wirkten an der Uraufführung eines Werkes von Olga Kroupová mit.
Bei aller Professionalität gehören Meinungsverschiedenheiten zum Alltag eines Quartetts. Unterschiedliche Charaktere und Arbeitsweisen führen gelegentlich zu Diskussionen. Die vier Musikerinnen gehen damit jedoch offen um. Inzwischen kennt jede die Eigenheiten der anderen. Gerade diese Vertrautheit ermöglicht es, Konflikte schnell zu lösen und den Blick wieder auf das Wesentliche zu richten.
Wichtige Impulse erhielten die Musikerinnen durch die Zusammenarbeit mit dem Auryn Quartett. Die Mitglieder des Ensembles wurden zu Vorbildern und Mentoren. Gemeinsam mit Prof. Matthias Lingenfelder nahmen die vier zudem an einem Meisterkurs von David Finckel, dem Cellisten des Emerson String Quartet, teil. Solche Begegnungen erweitern nicht nur den musikalischen Horizont, sondern zeigen auch, wie viel Beharrlichkeit erforderlich ist, um als Kammermusikensemble langfristig erfolgreich zu sein. Auch beim diesjährigen Auryn-Wettbewerb war die Teilnahme des Quartetts erfolgreich: Die vier Musikerinnen gewannen erneut den 1. Preis sowie zusätzlich den Heidi-Arnold-Preis.
Für die Zukunft haben die Vier klare Ziele. Sie möchten das Ixora Quartett weiter etablieren, neue Konzertorte erschließen und ihr Repertoire ausbauen. Gleichzeitig wollen sie ihre orchestrale Laufbahn weiterverfolgen. Denn das haben die vergangenen Jahre eindrucksvoll gezeigt: Beides lässt sich miteinander verbinden.