Kontraste erleben und Neues entdecken

Ein Ausblick auf die sechs Detmolder Meisterkonzerte 2025/26

© Frank Giesen

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Am 25. November eröffnen Jonathan Schwarz, Amelie Wallner (Violine), Mayu Konoe (Viola) und Lukas Schwarz (Violoncello) den neuen Zyklus der Detmolder Meisterkonzerte. Die vier Musiker*innen bilden das Leonkoro Quartett. „Leonkoro“ ist Esperanto und heißt „Löwenherz“ – benannt nach Astrid Lindgrens Kinderbuch „Die Brüder Löwenherz“.

Drei Werke stehen auf dem Programm des Quartetts, jedes auf seine Weise eine Annäherung an Vergänglichkeit und Hoffnung: Henriëtte Bosmans verarbeitet in ihrem Streichquartett persönliche Erfahrungen und Einflüsse von Debussy und Ravel. Felix Mendelssohn Bartholdy orientiert sich in seinem Streichquartett Nr. 2 a-Moll an den späten Streichquar­tetten Beethovens, und Franz Schubert greift in seinem Streichquartett Nr. 14 „Der Tod und das Mädchen“ auf eines seiner Kunstlieder zurück.

Volkslieder auf der Viola
Lieder auf der Viola – das ist ein künst­lerisches Leitmotiv der aus Armenien stammenden Bratschistin Kim Kash­kashian. Viele ihrer Einspielungen beim Label ECM kreisen um das Instrumentallied: Einmal widmet sie sich dort italienischen Volksweisen, ein anderes Mal beleuchtet sie in mittelalterlichen Liedern und Volks­gesängen die reiche Musik­kultur ihrer armenischen Heimat. Mit einem Reper­toire aus argentinischen, französischen und armenischen Liedern eröffnet Kashkashian gemeinsam mit ihrem Klavierpartner Péter Nagy das Detmolder Meister­konzert am 6. Januar 2026. Darüber hinaus stehen zwei große Sonaten für Viola und Klavier auf dem Programm: Johannes Brahms’ lyrisch-tiefgründige Es-Dur-Sonate sowie Dmitri Schosta­kowitschs letzte Komposition, die Sonate für Viola und Klavier in C-Dur. Während Brahms’ Werk von warmer Innigkeit und melodischer Weite geprägt ist, beinhaltet Schostakowitschs späte Sonate eine Musik voller Rückschau und innerer Ruhe.

Auf den Spuren von Fats Waller
Fats Waller war ein Pionier des frühen Jazz – ein Ausnahmetalent aus Harlem, das sich mit Virtuosität, Charme und Erfindungsgeist in die Musikgeschichte einschrieb. Als Sohn eines Pastors und einer Organistin begleitete er schon früh Gottesdienste und Stummfilme, spielte Tango und Jazz – und wurde einer der Väter des Harlem-Stride-Pianos, eines Stils voller Energie und technischer Raffinesse. Am 10. Februar 2026 erweckt die WDR Big Band Wallers Musik zu neuem Leben – mit einem Programm, das sie ins Heute überträgt. Dabei geht es nicht um Nostalgie, sondern um künstlerische Weiterentwicklung. Die Mitglieder der Big Band glänzen dabei sowohl als Solist*innen als auch im Ensemble. Getreu dem Motto „Musikalische Grenzen sind musikalische Herausforderungen“ entsteht ein Abend voller Groove, Virtuosität und Respekt
vor einem wegweisenden Genie.

Im Geiste Beethovens
Die französische Komponistin Cécile Chaminade lebte von 1857 bis 1944. Sie wurde einst als „kleiner Mozart“ gefeiert – durfte als Frau jedoch nicht an Konservatorien studieren. Unbeirrt verfolgte sie trotzdem ihren Weg und widersetzte sich der damals vorherrschenden Meinung mit unerschütterlichem Selbstvertrauen: „Meine Liebe gehört der Musik, ich bin ihre Priesterin, ihre Vestalin“ (C. Chaminade). Von ihren insgesamt 400 Werken, die alle im Druck erschienen sind, erklingt am 7. April 2026 im 4. Meisterkonzert das Klaviertrio Nr. 2 a-Moll. Gespielt wird es vom Sitkovetsky Trio – Alexander Sitkovetsky (Violine), Wu Qian (Klavier) und Isang Enders (Violoncello). Ergänzt wird das Programm durch Beethovens Klaviertrio Nr. 1 sowie Dmitri Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 e-Moll. Die tiefe Verbundenheit des Ensembles zu Beethoven zeigt sich auch in der Gesamteinspielung seiner Klaviertrios, die einen wichtigen Meilenstein in der Karriere des Trios darstellt.

Klavierlegende zu Gast
Der Pianist Michel Béroff zählt zu den herausragenden Klavierlegenden des 20. Jahrhunderts. Heute tritt er nur noch selten öffentlich auf, doch der Einladung nach Detmold zu seinem Konzert am 19. Mai 2026 ist er gerne gefolgt. Welt-weit spielte er mit Musikern wie Leonard Bernstein, Daniel Barenboim, Claudio Abbado und Mstislaw Rostropowitsch.
Darüber hinaus war Béroff auch als Dirigent tätig und veröffentlichte als ehemaliger Exklusivkünstler von EMI mehr als 50 Einspielungen. Zahlreiche Noten­editionen tragen seinen Namen, und als Dozent ist er bei internationalen Meisterkursen hoch gefragt. Sein Klavierabend beginnt mit Mozarts Fantasie in c-Moll und Schumanns Kreisleriana, bevor er sich drei französischen Meistern widmet. Der Höhepunkt des Konzerts sind zwei Werke aus Messiaens umfangreichem Klavier­zyklus „Vingt regards sur l’Enfant-Jésus“, für den Béroff wie geschaffen scheint – er gewann dafür den Internationalen Olivier-Messiaen-Wettbewerb. Ergänzt wird das Programm durch Werke von De­bussy, an dessen Wiener Urtextausgabe Béroff als Herausgeber beteiligt war, sowie Ravels „Valses nobles et sentimentales“, eine Hommage an den Wiener Walzer.

Faszinierende Raritäten mit Emily Beynon und Andrew West
Den Abschluss der Saison bildet am 30. Juni 2026 das Duo Emily Beynon (Solo-Flötistin des Concertgebouw Orchestra Amsterdam) und Andrew West (Klavier). Gemeinsam präsentieren sie ein eindrucksvolles Programm, das Bekanntes und Raritäten vereint. Neben Mel Bonis’ Flötensonate und der verspielten Sonatina von Francis Poulenc erklingt „Le Rire de Saraï“ von Guillaume Connesson, inspiriert von der biblischen Geschichte um Sarahs späte Schwangerschaft im Buch Genesis. Dazu kommen Werke des Briten Edwin York Bowen, dessen Musik von Georges Bizet hochgeschätzt wurde. Außerdem erklingt ein Werk des Niederländers Marius Flothuis, der nach dem Zweiten Weltkrieg zum Concertgebouw zurückkehrte. Bei diesem lässt Beynon die Flöte in solistischem Glanz erstrahlen.

Konzerteinführungen
Bei dem Besuch unserer Detmolder Meisterkonzerte können Sie auch vieles über die Hintergründe der musikalischen Werke lernen. Planen Sie ausreichend Zeit ein und besuchen Sie unsere Einführungsvorträge eine Stunde vor Konzertbeginn im Gartensaal des Palaisgebäudes. Die Einführungen werden informativ und unterhaltsam von Studierenden des Masterstudiengangs Musikvermittlung moderiert.