Der eigentliche Schöpfer, Ernst von Bandel, hielt sich an diesem Tag bescheiden im Hintergrund. Mit 26,57 Metern Figurenhöhe und einer Gesamthöhe von 53,56 Metern ist das Hermannsdenkmal bis heute die höchste Statue Deutschlands und prägt die Silhouette der Region. Gebaut wurde es als Erinnerung an die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr., in der Arminius – Fürst der Cherusker – die römischen Legionen unter Publius Quinctilius Varus besiegte.
Doch der Weg bis zur Vollendung war lang: Der Grundstein wurde 1838 gelegt, doch politische Krisen, Finanzierungsprobleme und jahrelange Baupausen ließen das Projekt immer wieder stillstehen. Vereine in ganz Deutschland sammelten Spenden, berühmte Persönlichkeiten wie Heinrich Heine beteiligten sich, und selbst der preußische König Wilhelm I. gab Geld. Erst nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 gewann das Vorhaben neuen Schwung. Dass es letztlich fertiggestellt wurde, lag nicht zuletzt an Bandels Beharrlichkeit – und an der Begeisterung vieler Bürger, die das Denkmal als nationales Symbol verstanden. Heute ist es nicht nur ein imposantes Bauwerk, sondern das Wahrzeichen Lippes, das jährlich über eine halbe Million Besucher anzieht.
Der Mann hinter dem Monument
Jeder große Bau hat seine Geschichte – und einen Menschen, der ihn Wirklichkeit werden lässt. Für das Hermannsdenkmal war es Joseph Ernst von Bandel, geboren 1800 in Ansbach. Er erlebte Kriegszeiten, politische Umbrüche und die Suche nach einer nationalen Identität – Erfahrungen, die seine künstlerische Arbeit prägten. Ausgebildet als Bildhauer und Architekt, schuf er bedeutende Skulpturen, Porträts und Bauwerke. Doch ab 1838 bestimmte ein einziges Projekt sein Leben: das Hermannsdenkmal. Bandel verzichtete auf ein Künstlerhonorar, lebte zeitweise in einem einfachen Bauwagen am Denkmal und kämpfte Jahrzehnte für die Fertigstellung. Neben der Arbeit am Monument entstanden auch persönlichere Werke wie
die Skulpturengruppe „Vier Jahreszeiten“, für die seine eigenen Kinder Modell standen. Bandel starb 1876 – wenige Monate nach der Einweihung seines Lebenswerks.
Mythos im Museum
Wer war eigentlich dieser „Hermann“? Im Lippischen Landesmuseum Detmold verrät die Dauerausstellung Mythos Varusschlacht, dass der Held aus Kupfer streng genommen Arminius hieß – ein Fürst der Cherusker, dessen Siedlungsgebiet sich beiderseits des oberen Wesergebiets erstreckte. Die Ausstellung zeichnet den Weg dieser historischen Figur vom Feldherrn der Antike über die Wiederentdeckung in der Renaissance bis hin zur national aufgeladenen Symbolfigur des 19. Jahrhunderts nach.
Die Präsentation macht deutlich, wie sehr das Bild von Arminius über die Jahrhunderte von politischen Strömungen, kulturellen Bewegungen und dem jeweiligen Zeitgeist geprägt wurde. So wurde er in der Reformationszeit als Vorkämpfer gegen Rom interpretiert, im 19. Jahrhundert als Einiger und Befreier im nationalstaatlichen Sinn – und im 20. Jahrhundert für ganz unterschiedliche politische Zwecke vereinnahmt. Zahlreiche Originalobjekte, etwa die Innenkonstruktion des Hermannsdenkmals von Ernst von Bandel, detailreiche Rekonstruktionen und moderne Medien inszenieren diesen Wandel anschaulich. Besucherinnen und Besucher können sich hier auf eine Zeitreise durch 500 Jahre wechselnder Deutungen begeben – und verstehen, wie aus Geschichte ein Mythos wird.
Ausblick
Das Jubiläum des Hermannsdenkmals ist nicht nur ein Anlass, zurückzuschauen, sondern auch nach vorn. Ende 2025 widmet sich eine große Sonderausstellung im Lippischen Landesmuseum erneut dem Monument – kritisch, facettenreich und mit vielen interaktiven Elementen.