Was kann einem Roadtrip zu einem wirklichen Gefühl von Freiheit und Abenteuer verhelfen? Ein weiter, endloser Himmel! Also besuchen wir nach all den Superlativen an Nationalparks in den vergangenen Wochen nun den Bundesstaat Montana. Auch genannt: „The Big Sky Country“.
Unter diesem weiten Himmel, werden Reichtümer gewonnen und gingen Schlachten verloren. Im Hinterland von Montana gibt es noch viel zu entdecken, Berge, Gletscher, Flüsse, Prärielandschaften und viele seltene Tiere. Wir reisen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Montana ist der Staat, in dem die First Nation ihre einzige Schlacht gegen den europäischen Migranten gewonnen hat. Wir sind nicht hier, um nach Gold zu schürfen, wie einst die armen Seelen, die danach suchten und glaubten ihr Leben wäre dann ein Besseres. Wir sind hier um die Ruhe, die Natur und vor allem die Wälder und ihre Flüsse und Seen zu spüren. Montana hat 1,1 Millionen Menschen und ist größer als Deutschland, da sind Plätze fern ab der Zivilisation sicher. Auch aus diesem Grund wird die Waffe locker am Gürtel getragen und wohl den Herrgott in vielen Momenten angerufen, nicht nur auf diesem Schild am Wegesrand.
Es ist schon abenteuerlich, wenn dem Jäger kurz vor dem Betreten seines Jagdgebietes erklärt wird, welchen Bären er schießen darf und wie diese sich unterscheiden. Wir auf jeden Fall, achten mehr auf die Jäger als auf den Bären, denn welcher uns nun gefährlicher wird, bleibt abzuwarten.
Die Ausrüstung jedenfalls scheint er zu kennen, denn die Auswahl hier ist groß und für Jedermann oder Frau auch frei zugänglich. Das Patronenregal hatte ebenfalls eine erstaunliche Größe. Und wer dann doch nicht geduldig warten kann, bis das Objekt der Begierde vor die Flinte läuft, erwirbt einfach einen Stimmenimitator im Handtaschenformat.
Gut verstaut sind alle Vorräte, denn nun rufen die Wälder und wir werden für viele Tage hier nur von den Vögeln und dem rauschenden Bach geweckt. Wenn es auf Wanderwege geht, ist nun unser treuer Begleiter eine große Flasche Pfefferspray. Einsetzen werden wir sie nie, denn der Bär lässt sich gar nicht so leicht erblicken. Wir denken, wir sind die Spezies, die er aus gutem Grunde meidet.
Zu unserer großen Freude befinden sich die schönsten Möglichkeiten zu campen direkt an den Flüssen und Seen. Und wer ist hier wieder heimisch? Der Weißkopfseeadler!
Wir haben gar nicht damit gerechnet, ihn so nah erleben zu dürfen. Diese fixierenden gelben Augen! Dieser mächtige messerscharfe Hakenschnabel! Dieser makellos weiße Kopf! Und diese gefährlichen gelben Klauen, die sich ohne Gnade in die Beute krallen! Seine Spannweite misst bis zu 2,40 Metern. Es erfreut das Herz, ihn in den Lüften des weiten Himmels zu sehen. Über diesen Helden der USA sagt man, er ist es, der die Freiheit, die Stärke und den Mut in sich trägt. All diese Eigenschaften schreibt der Amerikaner auf seine Fahne. Seine Ausrottung stand kurz bevor, verursacht durch die skrupellose Jagd und den Einsatz des giftigen DDT, in der Landwirtschaft. Die Geschichte des Adlers ist schon eine Merkwürdige. Fast ausgerottet und doch verehrt, dann mit vereinten Kräften gerettet. Seine Zukunft steht wie alles in den Sternen.
Teilen tut er sich den Lebensraum mit einem weiteren edlem Vogel, dem Fischadler. Es ist die Zeit der Aufzucht des Nachwuchses und bei meiner morgendlichen Tour werde ich Zeuge dieses Dramas. Der Kampf beginnt in der Luft. Ein Weisskopfseeadler greift den Fischadler an. Sie sind zu Dritt und der Kampf geht schnell weiter am Boden. Nun ist es an der Reihe, dass sich der Jungvogel beweist. Die Elterntiere beobachten genau, wie geschickt sich der junge Weißkopfseeadler anstellt und im Notfall greifen sie ein, nicht dass die Konkurrenz entwischt. Doch der junge Weißkopfseeadler macht seine Sache wohl gut, denn auch eine Scheinattacke des Partners, der seinen treuen Begleiter nicht helfen kann, wird vom diesem starken Jungvogel bestens abgewehrt. Es ist kaum zu ertragen, das Geschrei das er verursacht durch sein ständiges Hacken auf sein Opfer, dass in seinen messerscharfen Krallen festsitzt. Nach vierzig Minuten wird es still, es kehrt Ruhe ein. Die Beute ist erlegt, der Konkurrent geschlagen. Das klägliche Geschrei verfolgt mich noch stundenlang. Mir wird klar, wer die Natur ganz will, muss sie auch ertragen können.
Die USA sind das perfekte Land für eine Erlebnisreise. Doch der beste Roadtrip ist der, mit dem Menschen, der mit dir die unvergesslichen Erinnerungen schafft. So freuen wir uns auf weitere Erlebnisse, auch hier in Montana im nächsten Jahr, wenn es wieder heißt: „Das leben ist zu kurz, um nicht die malerische Route zu nehmen“. Wir besuchen nun den Bundesstaat Idaho!
Anke und Wolfgang