Die charmanten Figuren aus weißem Carrara-Marmor verkörpern Frühling, Sommer, Herbst und Winter – kindliche Allegorien, wie man sie seit Renaissance und Barock liebte. Besonders berührend: Für zwei der Figuren standen Bandels eigene Kinder Modell. Der Frühling mit Blumengirlande trägt die Züge von Tochter Angelika, der Sommer mit Ähren und Strohhut erinnert an Sohn Armin.
Entstanden ist das Werk ab 1843 aus eigenem Antrieb – Bandel hoffte auf Käufer unter dem wohlhabenden Bürgertum. Doch trotz der Feinheit seiner Arbeit blieb der erhoffte Verkauf auf der Kunstausstellung in Hannover aus. Die Skulpturen blieben in Familienbesitz und gelangten über mehrere Stationen bis 1945 nach Dresden. Nach der Wiedervereinigung war die Dresdner Skulpturensammlung verpflichtet, die vier Stücke an die ehemaligen Eigentümer zu restituieren. Diese entschieden sich für einen Verkauf über den Kunsthandel. Bei Recherchen zum Leben Ernst von Bandels stießen zwei Detmolder Kulturvermittler auf die Skulpturengruppe und machten sich auf Spurensuche.
„Nach vielen vergeblichen Versuchen, die Dresdner Skulpturensammlung zu erreichen, kam schließlich die Nachricht: Die Figuren seien dort gewesen, aber an einen Antiquitätenhändler übergeben worden. Uns rutschte das Herz in die Hose. Doch wir riefen beim Händler sofort an – und tatsächlich: Die Gruppe war noch da!“, erzählt Cornelia Müller-Hisje.
Zusammen mit Carl-Heinz Helwig informierte sie das Lippische Landesmuseum – und traf dort auf offene Ohren. Museumsleiter Dr. Michael Zelle erkannte sofort den Wert des Fundes: „Verglichen mit anderen Künstlern ist das künstlerische Werk von Bandel nicht so umfangreich. Die vier Skulpturen bilden aber eine wichtige Sammlungsergänzung, da wir einen Sammlungsschwerpunkt zu Ernst von Bandel und dem Hermannsdenkmal setzen.“
Dank der Unterstützung der Lippe Tourismus & Marketing GmbH und des Landesverbands Lippe gelang schließlich der Ankauf. Für Jörg Düning-Gast, Verbandsvorsteher, ist das mehr als ein gelungener Coup: „Das Leben von Ernst von Bandel ist mit Detmold eng verknüpft. Sein künstlerisches Werk umfasst aber eine große Bandbreite. Die Gruppe zeigt eine Facette, die vielen bisher noch nicht so geläufig war.“
Und so kehrt Bandels Werk auf besondere Weise zurück nach Lippe – nicht als Monument, sondern als zarte Erzählung aus Marmor. Eine Geschichte von Idealismus, Kunstsinn und familiärer Verbundenheit, eingefangen in Stein. Ab sofort sind die vier Jahreszeiten in der Sammlung des Museums zu sehen – ein Besuch, der nicht nur Kunstbegeisterte faszinieren wird.