In etwa den Konturen einer Acht folgt ein kleiner und feiner Rundwanderweg rund um die bekannten Externsteine, zwischen Horn und Holzhausen gelegen. Es ist die Blaubeer-Route, ein Qualitätswanderweg, der zur Zeit auch für den „Schönsten Wanderweg Deutschlands 2023“ nominiert ist. Er ist (je nach Einstiegspunkt) knapp sieben Kilometer lang und weist eine Höhendifferenz von 170 Metern auf – für geübte Wanderer ein Leichtes. Ein wenig kniffelig für ungeübte oder körperlich eingeschränkte Personen: durch zwei steilere Anstiege und Passagen mit unebenem Untergrund (Wurzeln und Steine) ist die Runde nicht uneingeschränkt als leichter Spaziergang zu empfehlen. Hier empfiehlt es sich, die Runde gegebenenfalls in zwei Etappen einzuteilen – dann sollte sie, auch wegen der aufgestellten Ruhebänke, ein Genuss bleiben.
Wir nehmen an diesem Samstag im April an einer geführten Tour von Lippe Tourismus & Marketing teil. Linda Nasebandt-Schwarz und Wanderführerin Barbara Brockmann vom Heimatbund Lippe empfangen uns freundlich am Infozentrum der Externsteine; nocheinmal ziehen wir die Schnürsenkel fest und schon geht es los. Am Unteren Teich der Wiembecke vorbei laufen wir durch einen Hudewald. „Das kommt vom Hüten“, erklärt Barbara Brockmann uns: „Früher haben hier die Bewohner ihre Schweine unter den Buchen weiden lassen, die haben reichlich Bucheckern gefressen und sind entsprechend groß geworden.“ Von nun an geht es langsam aber stetig bergauf, wir genießen den ersten Blick auf die Externsteine, bevor wir den Bärenstein erklimmen. Die Gruppe passiert weitläufige Blaubeer- und Besenheideflächen inmitten des Mischwaldes; dann führt der Weg entlang von Farnen, Moosen, Flechten und eines Quellbaches der Wiembecke leicht bergab in Richtung des Europäischen Wanderkreuzes. Barbara Brockmann ruft unsere bunte Schar hier zusammen und ruft für ein paar Minuten zur inneren Einkehr auf. Und tatsächlich: obwohl wir nur einen Kilometer von den an diesem Tag gut besuchten Ausflugsziel Externsteine entfernt sind, hören wir bis auf die Rufe einiger Vögel keine anderen Geräusche und genießen diese Momente der Ruhe und des Friedens.
Am Wanderkreuz wartet dann eine Überraschung auf uns: aus dem dort auf uns wartenden Lippe Tourismus & Marketing Bulli werden Kaffee und Blaubeermuffins für eine kurze Rast gezaubert. Hier am Wanderkreuz treffen sich Europas erste Fernwanderwege. Von ihrem einzigen Kreuzungspunkt kann man über den E1 bis an den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes, zum Nordkap, oder bis ins italienische Salerno wandern. Über den R1 gelangt man bis nach Boulogne-Sur-Mer bzw. Calais im Westen sowie St. Petersburg im Osten. Wanderwartin Barbara Brockmann erzählt einiges über die Wanderwege im Teutoburger Wald. So dünne man das Wegenetz etwas aus, Qualität gehe vor Quantität.
„Ein Wanderweg wird nach Kernkriterien und Wahlkriterien analysiert. Ein vom Deutschen Wanderverband ausgezeichneter Wanderweg legt den Grundstein für ein eindrucksvolles Wandererlebnis. Die Anforderungen der Wanderer an die Qualität der Wanderwege sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Wanderer wünschen abwechslungs- und aussichtsreiche Wanderwege in natürlicher Umgebung, eine zuverlässige Markierung sowie eine gute Infrastruktur am Wanderweg. Um diesen Wünschen der Wanderer gerecht zu werden, hat der Deutsche Wanderverband Qualitätskriterien für Wanderwege entwickelt. Diese Kriterien machen die Attraktivität eines Wanderweges messbar“, so ein Zitat des Deutschen Wanderverbandes, und danach richte man sich. Fast 200 Mitglieder des Lippischen Heimatbundes, des Eggegebirgsvereins und Teutoburger-Wald-Vereins kümmern sich in jedem Frühjahr um die Pflege und Markierung der Wanderwege – alle speziell geschult. Die Gastronomie am Wegesrand spiele zunehmend eine Rolle, hier sieht sie die lippischen Gastgeber mit Angeboten wie beispielsweise wandergerechten Speiseangeboten, Rucksacktransfer oder Schuhputzmöglichkeiten in den Lokalen gut aufgestellt. Nach ihrem lippischen Lieblingswanderweg befragt, antwortet sie lächelnd: „Unser neuer Lipperlandweg! Der bietet Kultur und Natur zwischen Lemgo und dem Köterberg in Hülle und Fülle.“
Nach der Rast wandern wir weiter über den Kickenhagen und durch Bergheidelandschaft unserem Ziel entgegen. Auch hier wurde das Vieh der Nachbargemeinden gehütet. Heute halten die Schafe und Ziegen der Biologischen Station Lippe diese Heideflächen frei. Nach knapp drei Stunden – wir rasteten ja etwas länger – treffen wir am Parkplatz der Externsteine, dem eigentlichen Start und Ziel des Rundweges ein.