Wale? In Lippe? Kein Witz.

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Es ist ein Anblick, der irritiert. Wer derzeit am Lippischen Landesmuseum Detmold vorbeikommt und einen Blick in den Museumsgraben wirft, dürfte kurz stutzen: Dort liegt ein bizarrer Kopf. Ein Wal? Tatsächlich handelt es sich um das Modell eines Südkapers – eines Bartenwals. Doch was macht ein Meeressäuger mitten in Detmold? Und was hat es mit diesem ungewöhnlichen Neuzugang auf sich? Ein erster Hinweis: Er führt direkt hinein in die Welt der größten Säugetiere der Erdgeschichte – und in die nächste große Sonderausstellung.

Jetzt mal von Anfang an
Wenn heute ein Wal aus dem Wasser auftaucht, wirkt er wie das Sinnbild eines perfekten Meerestiers. Sein Körper ist stromlinienförmig, seine Flossen treiben ihn mühelos durch die Ozeane, und sein Blasloch (eigentlich die Nase) sitzt auf der
Stirn. Doch so selbstverständlich dieses Bild erscheint – Wale waren nicht immer Meeresbewohner. Ihre Vorfahren lebten, wie die meisten Säugetiere, einst an Land. Wale bringen lebendigen Nachwuchs zur Welt, sie säugen ihre Jungtiere mit Milch und haben auch stellenweise noch ein paar Haare!

Lebenswelt Wasser
Bei der Menge an Zeit die wir in der Erdgeschichte betrachten, vergessen wir gerne etwas Wichtiges: Das Leben hat sich im Wasser entwickelt! Erst nach Milliarden von Jahren tauchten Lebewesen auf, die sich an Land aufhalten können. Mit der Besiedlung des Landes entstanden neue Ökosysteme, die neben den Lebenswelten im Wasser existieren. Starb aber eine Lebensform mit einer bestimmten Lebensweise in den Meeren aus, konnte die Lebensweise von einer neuen Art
übernommen werden. Es konnten auch Landtiere erneut beginnen, nahe am oder sogar im Wasser ihr Leben zu verbringen. Diese Wiederbesiedlung von Gewässern durch Landtiere bezeichnen Forschende dann als „sekundär aquatisch“.

Was startet die Erfolgsgeschichte der Wale?
Das entscheidende Ereignis für die Geschichte der Wale ist das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, vor 66 Millionen Jahren. Neben den Nicht-Vogel-Dinosauriern sterben auch die großen marinen Reptilien aus, die bereits vor den Säugetieren die Rückkehr ins Wasser geschafft haben. Die Vorfahren der Wale, die vor 49 Millionen Jahren in Pakistan lebten, waren vermutlich zuerst an den Küsten und Stränden auf Nahrungssuche. Das Fehlen der großen, räuberischen Meeresreptilien in den Meeren führte aber dazu, dass diese Tiere sich immer mehr dem Wasser als Lebenswelt näherten.

Welt der Wale – auf der ganzen Welt!
Wale haben sich nach nur wenigen Millionen Jahren zu erfolgreichen Nachfolgern der Meeresreptilien entwickelt und sich weltweit verbreitet. Es entstanden die Bartenwale, die durch das Fressen immenser Mengen von kleinen Tieren erfolgreich wurden und die Zahnwale, zu denen übrigens auch die Delfine gehören. Kaum vorstellbar, aber Wale haben auch in Nordrhein-Westfalen gelebt! Bedingt durch ein völlig anderes Klima, einen höheren Meeresspiegel als heute und die Bewegung der Erdplatten, waren einige Bereiche Nordrhein-Westfalens von Meeresarmen bedeckt, der neuen Heimat der Wale. Solche Veränderungen im Klima, der Tektonik und des Meeresspiegels ließen diese Lebenswelt vor der Eiszeit dann wieder verschwinden.

// // überLeben – Paläontologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen in Essen, Münster und Detmold Giganten, Geheimnisse und vergessene Welten: Unter Schichten aus Zeit und Stein liegen Spuren einer Realität verborgen, die lange vor dem Menschen begann – auch in Nordrhein-Westfalen. Fossilien bewahren Augenblicke aus einer fernen Vergangenheit und eröffnen bis heute neue Fragen. Genau diese prähistorischen Schätze und spektakulären Fossilfunde rückt Nordrhein-Westfalen 2026 mit einer Paläontologischen Landesausstellung unter dem Titel „überLeben“ ins Zentrum, die auf Initiative des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung ins Leben gerufen wurde. Dabei präsentieren das Ruhr Museum in Essen, das LWL-Museum für Naturkunde in Münster sowie das Lippische Landesmuseum Detmold von April 2026 bis September 2027 in drei Ausstellungskapiteln, wie sich das Leben in Nordrhein-Westfalen über Millionen Jahre verändert hat. Die Landesausstellung 2026 wird seitens des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen mit 1,5 Millionen Euro finanziert. // überLeben – Walheimat Urmeer, Lippisches Landesmuseum Detmold, 26. September 2026 bis 4. April 2027 Nachdem die Herrschaft der Dinosaurier vorüber war, wurden die Säugetiere zur global dominanten Tiergruppe. Mit der Entwicklung der Wale, Seekühe und Robben haben sie sogar die Weltmeere erobert. Sie alle lebten einst auch in jenem warmen Flachmeer, welches das urzeitliche Nordrhein-Westfalen bedeckte. Während einige dieser Tiere für uns vertraut ausgesehen hätten, gibt es unter den Funden auch Arten, die aus heutiger Perspektive ganz und gar bizarr wirken. Originale Fossilien und spektakuläre Lebensdarstellungen des Paläokünstlers Joschua Knüppe lassen diese Vielfalt der damaligen Meeressäugetiere wieder auferstehen. Ein besonderes Highlight der Ausstellung in Detmold ist der 1987 gefundene „Kervenheimer Wal“. Das etwa 6,5 Meter lange Fossil zählt zu den bedeutenden geologischen Funden der Niederrheinischen Bucht und belegt eindrucksvoll, dass die Region einst vom Meer bedeckt war.